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Vier Jahre Schweigen

Ich hatte ihn beobachtet, gesehen, wie er neue Frisuren, andere Styles seiner Kleidung, ausgetestet hatte. Sogar seine Sprache hatte sich verändert zu einem mir blöd vorkommenden Denglish. Ich wunderte mich, was mit Niklas in den letzten vier Jahren passiert war. Er war nicht mehr der Niklas, den ich seit dem siebten Schuljahr kannte. Was war passiert? Er war nicht mehr mein Freund, und ich war dennoch besorgt.

Normalerweise sollte mir das gleichgültig sein. Aber die Realität war anders. Von dem Moment an, als mir im siebten Schuljahr klar wurde, dass ich mich in ihn verknallt hatte, war ich verstört, und in den vier folgenden Jahren seit dem Nachmittag in seinem Zimmer ebenso, wenn nicht mehr.

All diese Jahre dachte ich darüber nach, warum ich mich nicht getraut hatte, die drei Worte ‚Ich liebe dich‘ zu dem Jungen zu sagen, der mein bester Freund seit dem ersten Schuljahr war. Ich war ein Feigling und ich begann, mich mehr und mehr zu hassen wegen meiner Lügen, Ausflüchte und blöden Entschuldigungen.
Ich bemühte mich, die Beziehung tot zu denken, die mir in meinen siebzehn Lebensjahren das Meiste bedeutet hatte.

Es wäre einfach gewesen, Niklas die Schuld zu geben. Aber in meinem Innersten wusste ich, ich war derjenige, der den Schwanz eingezogen hatte, egal, wie oft ich ihm auch die Verantwortung dafür zugesprochen hatte. Ich war der, der plötzlich keine Zeit mehr für ihn hatte, mit ihm nicht mehr gesprochen hatte und seine Anrufe unbeantwortet ließ. Ich begann, alle Orte zu vermeiden, wo er eventuell sein könnte. Es war nicht so, dass ich ihn nicht um mich haben wollte, aber ich hatte Angst. Angst vor meinen Gefühlen. Angst davor, was sie mit mir anstellten. Und diese Gefühlslage brachte mich dazu, dass Einzige zu tun, was mich von meinen Gedanken abbringen konnte:

Totale Trennung von Niklas. Ich löschte ihn aus meinem Leben, löschte in Folge die Beziehung zu der einzigen Person, die mich angenommen hatte, wie ich war, ohne Forderungen oder Vorbehalte. Ich hatte meine Fehler und war manchmal etwas kompliziert, aber er behandelte mich immer, als wäre ich etwas Besonderes.

Ich hatte kein Recht mehr mich zu fragen, was mit Niklas los war. Ich war derjenige, der ihn beiseite gestoßen hatte, die Wand zwischen uns aufgerichtet hatte. Trotzdem war es mir nicht egal. Ich hatte zugeschaut, wie der Niklas, den ich gekannt und geliebt hatte, verschwand und langsam zu einer fremden Person wurde.

Er hatte versucht, einen Weg zu finden, um mit mir zu sprechen. Da war er noch der smarte und liebenswerte Niklas mit seinen strohblonden Haaren und offenen, grünen Augen, aber seit dieser Zeit hatte er sich dramatisch verändert. Er lehnte sich an die gewaltige, schattenspendende Buche im Park und starrte in die Luft.

Es war, als hätte er in jedem Jahr eine neue Persönlichkeit getestet, und erschien am Ende der Ferien in der Schule als ein Fremder. Nur sein Name, der bei der Anwesenheitskontrolle aufgerufen wurde, erinnerte an ihn.

Ich möchte nicht sagen, dass ich mich auch neu erschaffen hatte, aber im gewissen Sinn war das genau das, was ich getan hatte, als ich an diesem Nachmittag aus seinem Zimmer stürzte. Ich handelte, als ob es nie passiert wäre, schlimmer als das, ich löschte Niklas‘ Existenz. Ich musste es tun. Wenn es ihn nicht mehr gab, dann konnte ich ihn nicht mehr lieben, ihn nicht mehr küssen. Und wenn das nicht mehr möglich war, dann würde ich vielleicht, nur vielleicht, nicht mehr schwul sein.

Im ersten Sommer, vor der achten Klasse, war es noch nicht so drastisch, aber als die Jahre vergingen, wurde er immer verzweifelter. Die langen Strähnen schwarz gefärbter Haare, die sein Gesicht fast komplett versteckten, schienen ihn von jedermann zu trennen und zeugten von seiner Einstellung. Er trat in die Theatergruppe ein und ja, er war nicht schlecht darin, sich zu verstellen.

Im neunten Schuljahr war er in der Schwimmgruppe. Seine Haare waren etwas länger gewachsen und das gechlorte Wasser hatte sein strohblondes Haar in ein hellblondes verwandelt. Ich war nicht in der Lage, zuzuschauen. Niklas in Badehose, so oft ich es mir in Gedanken vorstellte, war etwas, was ich in meiner Gefühlslage nicht zu nah sehen durfte.

Gelb gefärbte Locken im zehnten Schuljahr, die man schon von weitem erkannte, so dass ich die Möglichkeit hatte, ihm auszuweichen. Eine Begegnung mit ihm wollte ich vermeiden. Immer noch war ich nicht im Klaren mit mir.

Ich hätte ihn heute fast nicht erkannt, in seinem dunkelgrauen Sweatshirt, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, Kopfhörer angelegt trank er aus einer Wasserflasche. Neben ihm ein Skateboard, das umgedreht im Gras lag. Ich spielte mit einen Gruppe Jungs Fußball, und der Ball war aus dem Spielfeld heraus gerade auf ihn zugerollt.

Ich wusste nicht viel über Skaten, aber dieses Board sprang mir in die Augen. Es war nicht sehr farbig, nur schwarze und weiße Streifen, aber da war ein Bild auf ihm gemalt, das ein rotes Herz zeigte, mit einem Riss, der quer über die rote Fläche lief. Unterhalb des gebrochenen Herzens stand ein Wort: Rätsel.

Mein Unterbewusstsein hatte mich dazu gebracht, sekundenlang die einfache Zeichnung anzuschauen. Ich kam mir wie ein Eindringling in Niklas‘ Revier vor, als ich den Ball zurückholen wollte. Das brachte mich dazu, ihn anzusprechen, das erste Mal nach vier Jahren.
„Hee, sorry dafür.“
Dabei deutete ich auf den Ball, der ganz in der Nähe seiner Füße lag.
„Schönes Board“, fügte ich hinzu, als ich mich bückte, um den Ball aufzunehmen.

Niklas schwieg und ich fragte mich, ob er mich mit den Ohrhörern verstanden hatte, aber als seine Augen durch einen schwarzen Haarvorhang meine trafen, kam ein Laut aus meinem Mund. Ich hoffte, er hatte diesen auch nicht gehört und sah ihm direkt in die Augen, zum ersten Mal nach langer Zeit.

Sie hatten dasselbe Grün, vor dem ich an jenem Nachmittag weggelaufen war und dann mit Absicht bis heute gemieden hatte. Er hatte keine Antwort für mich, aber sein Blick sagte alles.

„Rolf, was machst du? Wir warten auf dich.“
Ich sah hinüber zu den Fußball-Jungs, dann zurück auf Niklas. Seine Augen luden mich nicht ein, zu bleiben, aber ich konnte plötzlich nicht wieder weglaufen, diesmal nicht. Ich schoss nur den Ball zurück aufs Spielfeld, setzte mich vor Niklas auf den Boden und wartete.

Ich weiß nicht mehr, wie lange wir uns gegenüber gesessen haben, nur Schweigen zwischen uns, aber die Sonne war untergegangen und es dämmerte. Ab und zu traf mich ein starrer Blick aus seinen grünen Augen. Ich sah auf die Uhr. Fast drei Stunden hatten wir ausgeharrt, ohne Worte, bevor ich aufstand und nach Hause ging.

Zu Hause schloss ich mich in meinem Zimmer ein. Wie konnte jemand, für den ich so viel empfunden hatte, drei Stunden mir gegenübersitzen und mir nichts zu sagen haben. Warum hatte ich nichts zu ihm gesagt? Es war wohl das Gefühl von Schuld, das ich jedes Mal hatte, wenn ich in seine Augen blickte, und die von mir eine Erklärung für die letzten Jahre verlangten. Die Wahrheit war, ich hatte keine. Mir war nicht klar, warum ich mich heute vor ihn gesetzt hatte, um vielleicht mit ihm zu sprechen. War es das Schuldgefühl, das mich daran gehindert hatte?

Die Erinnerung an den Nachmittag stieg in mir hoch, als ich in seinem Zimmer neben ihm auf dem Teppichboden lag. Wir sahen uns einen Film an. Unsere Seiten berührten sich unverfänglich, unsere Bäuche pressten sich auf den teppichbelegten Boden. Wir hatten unser Kinn auf unsere Hände gelegt und unsere Ellbogen berührten sich. Eine lustige Szene und wir beide lachten. Ich sah in sein lächelndes Gesicht.
Er war mein bester Freund, aber mehr als das. Ich hatte bemerkt, dass seine grünen Augen meine Hemmungen jedes Mal mehr wegschmolzen, wenn ich in sie blickte.

Wir lachten und es endete damit, dass ich ihn schubste, ihn herumrollte. Er grinste mich frech an und ich fand, dass er ein klein wenig Vergeltung nötig hatte. Ich griff ihn an. Wir rauften miteinander, rollten aufeinander, bis meine Größe und Kraft gewann, und ich seinen zierlicheren Körper unter mir niederhielt. Wir keuchten vor Anstrengung. Niklas wurde klar, dass er gefangen war, seine Hände von mir gegen den Boden gepinnt und ich auf seinem Unterleib thronte. Er gab auf.

Ich feierte einen Augenblick lang meinen Sieg. Meine Augen fanden seine, verloren sich in ihnen, öffneten einen Blick in seine Seele. Ich fühlte mich geborgen, verstanden und akzeptiert, jedes Mal, wenn ich in sie schaute und dieses Gefühl wurde immer intensiver. Er grinste mich an, fragte sich wohl, was ich mit meinem Sieg anfangen wollte.
„Mach‘ doch mit mir, was du willst“, forderte er mich heraus, vielleicht in einem Versuch, mich früher oder später von seinem Bauch zu bekommen.

Ich war voll entschlossen, ihn zu kitzeln oder sogar einen spucknassen Finger in sein Ohr zu stecken, irgendwas, um eine Form von Körperkontakt zu haben, aber am Ende funkte mein Gehirn oder mein Herz dazwischen, und ich küsste ihn. Nur ganz zart auf seine roten Lippen, nur für einen kurzen Moment, und die Welt schien aufzuhören, sich zu drehen. Er stieß mich nicht beiseite, er schrie mich nicht ärgerlich an. Er sah mich nur mit weit geöffneten Augen an und ich spiegelte mich in ihnen, wie in einem grünen See.

Ich war verschreckt, durcheinander und verstört. Ich konnte ihn noch nicht einmal etwas Blödes anbieten, ihn bedrohen, versprechen seine Hausaufgaben den Rest meines Lebens zu machen im Tausch für sein Schweigen. Nein, stattdessen sprang ich auf, rannte aus seinem Zimmer und versteckte mich für Jahre, bis heute, wo ich nicht mehr wegrennen konnte. Jetzt war ich mir über mich klar geworden, aber er hasste mich. Meine pure Existenz hatte ihn zu jemanden verwandelt, der sich vor allem und jedem versteckte.

Seine Augen waren kalt geworden, und die Seele, die ich darin gesehen und geliebt hatte war beschützt von einer dicken Haut, die er sich über die Jahre hatte wachsen lassen. Auf dem Heimweg hatte ich mich gefragt, ob er sich für dieses Jahr einen noch extremeren Look hatte einfallen lassen, aus einem bestimmten Grund. Verdammt! Ich mochte ihn trotzdem, die Art wie sein rabenschwarzes Haar mit seiner hellen Haut kontrastierte und wie seine Augen dazu passten. Die schwarzen Eyeliner, die man sehen konnte, wenn er mich anschaute, dazu der schwarze Nagellack und seine Ohrringe fügten sich ins Gesamtbild.

Ich erinnerte mich an das Glitzern des Metallrings, den er durch seine Unterlippe gepierct hatte. Manchmal nimmt man eine Menge Dinge in sich auf, auch ohne direkt hinzuschauen, wenn man sich drei Stunden lang anstarrt. Was ich an ihm äußerlich gesehen hatte, war konträr zu dem Niklas, den ich kannte. Aber ich erkannte auch den Schmerz, den Ärger. Er hatte mir immer noch nicht vergeben, ihn an diesem Nachmittag verlassen zu haben. Obwohl er sich hinter seiner Tarnung versteckte, hatte ich das erkannt.

Ich hatte einen Annäherungsversuch unternommen, und er wusste nicht, warum. Welchen Grund sollte ich haben, mich plötzlich um ihn zu kümmern? Und wenn er mir vergeben würde und mich wieder in sein Leben ließ, welche Garantie hatte er, dass ich nicht wieder weglaufen würde, das kleine Bisschen Seele zerstörte, welches er mit seiner Maskerade zu schützen versuchte?

Erst am nächsten Wochenende war ich wieder mit den Jungs im Park und sah ihn wieder. Ich hatte in der Schule nach ihm geschaut, ich sah ihn am Montag nicht und auch nicht am Dienstag. Mittwochs hatte ich das Gefühl, er versteckte sich vor mir, obwohl, wenn ich genau nachdachte, hatte ich ihn auch die letzten Monate nicht gesehen. Besuchte er die Schule noch?

Ich hätte an seine Haustür klopfen können. Das war die letzten vier Jahre nicht passiert, obwohl er im Nachbarhaus wohnte. Das wäre kein guter Plan gewesen, ahnte ich. Mein Vater hatte sogar ein kleines Tor zwischen unseren Gärten gebaut, damit wir uns besser besuchen konnten. Eingerostet war es vier Jahre lang nicht benutzt worden.

Ich sah ihn elegant über den Weg gleiten, an diesem Samstag Anfang April. Sein offenes Hemd flatterte hinter ihm, die warme Sonne brachte seine Haut zum Leuchten. Verdammt, er war atemberaubend. Sein Körper war immer noch schlank, aber er war erwachsener geworden, hatte Muskeln bekommen. Ich bildete mir ein, sogar einen Waschbettbauch zu sehen. Normalerweise trug er eine Kleidung, dass man das nicht sehen konnte, aber die warme Sonne heute hatte ihn dazu gebracht, mir ungewollt diesen aufmerksamkeitserregenden Anblick zu bieten. Seine Haare wehten im Wind. Aus meinem Inneren stieg die Frage auf, wie es wohl wäre, seine nackte Brust an meiner zu fühlen.

Ich wollte ihm zurufen, hatte eine Phantasie in mir, dass er mich hören würde, herbeifahren, mich anlachen. Aller Schmerz der letzten Jahre würde hinweggewischt mit der Kraft einen einzigen Kuss‘, mit dem alles begonnen hatte. Aber mein Mund blieb verschlossen, er kam nicht zu mir, wir küssten uns nicht. Nein, stattdessen starrte ich ihn nur an, und er ignorierte meine Existenz wie gewöhnlich.

Wir spielten unser Fußballspiel, rannten den Platz öfter auf und ab, als ich zählen konnte, bis die rote Sonne tief am Horizont hing. Ich ging nach Hause, genoss die leichte Frühlingsbrise an meiner feuchten Haut. Ich hatte einen trockenen Mund, und ein Trinkbrunnen lud mich geradezu ein.

Ich sah es aus den Augenwinkeln, strich mir die letzten Tropfen Wasser von den Lippen. Ich erkannte seine Umrisse an derselben Buche, unter der wir am letzten Wochenende gesessen hatten.

Verflucht! Warum unterzog ich mich all dem? Ich fand mich selbst wieder vor ihm stehend. Er bemerkte mich nicht, denn seine Augen waren geschlossen, sein Kopf lehnte zurückgelegt am Stamm, und ich sah ihn an.

Sein Fuß bewegte sich im Rhythmus irgendeines Songs, dem er lauschte. Ich beschloss, ihn nicht zu stören. Er sah so ruhig und gelassen aus, und das traf meine Seele mehr als die Blicke, die ich von ihm am letzten Wochenende geerntet hatte.

Es schien mir wie in den Zeiten zu sein, wo er mich glauben lassen wollte, er fühlte nichts mehr für mich. Da war nur ein leerer, verlassener Platz unter der Buche übrig, an dem er seine Gefühle für mich aufbewahrte. Andererseits wollte er mich wissen lassen, dass der Ärger ihn zerfraß, dass er bis zu diesem Tag so stark gelitten hatte, dass ein Hass gegen mich in ihm aufkeimte. Ich bevorzugte das Zweite, denn dann fühlte er wenigstens etwas.

Er war mehr als erschreckt, als er die Augen öffnete und mich geduldig vor ihm sitzen sah, bevor sein Gesicht wieder starr wurde, maskiert von einem starren Blick, den er perfektioniert hatte. Einen kurzen Moment öffnete er den Mund, als ob er mir etwas sagen wollte, zum Beispiel ‚Verpiss dich und verrecke‘, bevor er wieder entschlossen zuschnappte. Wieder saßen wir da. Ich schaute ihn an, versuchte einen winzigen Teil des Niklas zu finden, den ich einst geliebt hatte, um ihn wieder zu packen und nie mehr gehen zu lassen, während er sich mit allen Kräften dagegen wehrte.

Genauso, wie in der letzten Woche, war die Zeit gekommen, wo ich aufstehen und nach Hause gehen musste. Ich hasste es, wegzugehen, wie ein geprügelter Hund. Er grinste fast, in einer hämischen Art, als ich mich erhob. Ich hatte es wenigstens versucht, obwohl er nicht mit mir gesprochen hatte. Trotzdem fühlte ich mich schuldig, als ich von ihm ging.

“Ich muss gehen”, murmelte ich. In Wirklichkeit wollte ich sitzen bleiben, so lange, wie der Krieg unserer Willen ausgetragen wurde.
„Vielleicht seh‘ ich dich in der Schule.“
Er antwortete nicht und es tat weh.
„Um dieselbe Zeit nächste Woche?“

Am nächsten Samstag war ich fest entschlossen, mein Spiel ein wenig weiter zu treiben. Die Jungs am Fußballfeld fragten mich, ob ich mitspielen wollte, aber ich wollte nicht, diesmal nicht. Ich ging hinüber zu der dicken Buche und setzte mich. Die Stelle am Baum überließ ich ihm und nahm den Platz ein, an dem ich die beiden letzten Samstage gesessen und ihn angesehen hatte, nur ohne ihn.

Ich hielt Wache für mehrere Stunden, dann hörte ich ihn, das unmissverständliche Geräusch eines herannahenden Skateboards. Ich zwang mich, mich nicht umzuschauen, aber als die Räder an der Stelle stoppten, wo der Asphalt den Rasen berührte, lächelte ich. Nur eine Sekunde, aber ich lächelte.

Er schob sein Bord aufs Gras und setzte sich hin, belegte seinen gewohnten Platz, angelehnt an den Baumstamm. Für einen Sekundenbruchteil trafen seine Augen meine, dann war ich wieder Luft für ihn, und er sah beiseite. Ich sah ihn an, fand die kleinen Zeichen, die ihn zu Niklas machten. Einige Dinge konnte er nicht unterdrücken, so sehr er es auch versuchte.

Es wäre überheblich von mir gewesen, nur zu denken, dass er jetzt ein Gespräch mit mir beginnen würde, wenn es auch nur ein ‚Geh zur Hölle‘ gewesen wäre, aber irgendwie musste ich es doch versuchen. Auf eine gewisse Art und Weise brauchte ich ihn, wenn ich auch wusste, dass ich selbst ihn in den letzten vier Jahren fast zerstört hatte, den Niklas, den ich gekannt und geliebt hatte.

Der Frühling war fast zu Ende, und es war an diesem Nachmittag wärmer als lange Zeit zuvor. Ein warmer Wind kreiste um uns, versuchte uns zu erinnern, dass es bald Sommer wurde. Ich fragte mich, als ich ihn da sitzen sah, wo er den Großteil seiner Zeit verbrachte, was er tat in seinen Tagen und Nächten, und woher er regelmäßig kam, wenn er pünktlich jeden Samstagnachmittag unter diesem Baum saß.

Ich hatte nicht das Recht, zu fragen, und wenn ich es doch tun würde, würde er nicht antworten. Ich hoffte, er würde mit mir sprechen, wenn er bereit dazu war, nicht früher oder später. Außerdem war ich neugierig, wie er reagierte, wenn ich nicht vor ihm aufstehen würde, sondern mit ihm diesen Platz verließ. Ich hatte meiner Mutter gesagt, sie solle nicht mit dem Abendessen warten, weil ich den ganzen Tag beschäftigt wäre.

So saß ich da, seit zehn Uhr morgens, ganz allein, bis er kam und sich schweigend vor mich setzte. Er schien fast ängstlich darauf zu warten, dass ich mich zum gewohnten Zeitpunkt erheben würde und ihn wieder verließ, wie ich es die beiden letzten Samstage getan hatte. Aber das würde heute anders sein. Wie lange würden wir hier sitzen? Die Dämmerung brach herein, der Himmel wurde dunkler, bis der Nachthimmel die Schwärze seiner Haare hatte.

Meine Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit, der Mond ging auf, warf feine Schatten auf sein Gesicht. Wir saßen da wie angewurzelt, und ich musste mich zwingen, nicht auf meine Uhr zu schauen. Fast zehn Stunden musste ich nun gesessen haben, als er schließlich seinerseits aufstand, sich offensichtlich dagegen sträubte, diesmal mich zu verlassen. Meine Beine waren eingeschlafen, ich knickte fast ein, als ich mich ebenfalls erhob. Er nahm sein Skateboard unter den Arm und ich folgte ihm schweigend.

Als wir den Weg erreichten, erwartete ich, dass er nun das Board fallenlassen würde, um davonzufahren, aber das tat er nicht. Er ging weiter mit dem Skateboard unter dem Arm, nur einen Schritt vor mir. Schweigend gingen wir so in Richtung unserer Häuser und ich war mehr als überrascht, als er vor seinem Haus nicht Halt machte, sondern die restlichen Meter bis zu meiner Haustür weiterging.

Wirre Gedanken schossen mir durch den Kopf, als wir mein Zuhause erreicht hatten. Er hatte dafür gesorgt, dass ich sicher nach Hause kam, und als er vor meiner Haustür stoppte, hörte ich einen leisen Seufzer. War es sein Frust, dass ich als sein wochenlanger Stalker nicht aufgegeben hatte oder seine Ärger darüber, dass er nicht aufhören konnte, sich um mich zu kümmern, so sehr er es auch versuchte?

Ich zitterte ein wenig in der kühlen Nachtluft. Ich wollte nicht, dass er jetzt ging, aber es war unausweichlich. Er drehte sich um, ging mit schnellen Schritten zurück zu seinem Haus, als wollte er, dass diese Nacht enden würde.
„Warte Nick.“
Ich hielt ihn am Arm, um ihn aufzuhalten. Das brachte mir seinen eisigen Blick ein, als er meine Hand von seinem Arm schüttelte, als ob die Berührung für ihn schmerzhaft wäre.
„Sorry…“
Ich steckte meine Hände in die Taschen, um ihm zu zeigen, dass ich ihn nicht mehr anfassen wollte.
„Das Tor zwischen uns, zwischen unseren Gärten, ist seit Jahren blockiert. Morgen wird es wieder frei sein. Ich verspreche es.“
“Warte Nick”, bettelte ich ihn fast an. Ich hatte ihm so viel zu sagen, aber nun war nicht mehr der richtige Zeitpunkt dafür.
„Danke, dass du mich bis an die Haustür gebracht hast.“
Ich sah ihm nach, bis er in der Tür seines Hauses verschwunden war.

Am nächsten Morgen mähte ich den Vorgarten, dann ging ich hinter das Haus, um mein Versprechen an Nick zu erfüllen. Ich räumte den Gartenabfall beiseite, der sich vor dem Tor zwischen unseren Gärten angesammelt hatte. Nun konnte ich die Pforte öffnen. Ich ölte die Scharniere, blickte in seinen Garten. Seit vier Jahren hatte ich das nicht mehr getan.

An diesem Morgen sah ich Niklas nicht, und ich ließ das Tor weit offen stehen. Das musste er einfach sehen und würde wissen, dass ich mein Versprechen nicht gebrochen hatte. Später am Nachmittag sah ich aus meinem Fenster und sah ihn. Er stand an dem Törchen, weigerte sich aber, hindurchzugehen. Seine Blicke überflogen lange unseren Garten. Plötzlich trafen sich unsere Augen. Sein Gesichtsausdruck war wie versteinert, als er mich durch mein Fenster ansah. Nach einem langen Moment drehte er sich auf dem Absatz herum und schloss das Tor hinter sich mit einem Knall.

Ich fragte mich, ob er jemals wieder mit mir sprechen würde und was seine ersten Worte nach so langem Schweigen sein würden. Richtig, diese Jahre des Schweigens und der Einsamkeit hatte ich gewollt, aber jetzt wollte ich mehr. Ich wollte mich entschuldigen, wollte ihm klar machen, dass nicht er, sondern ich der Schuldige war, dass ich ihn nicht verletzen wollte oder ihn links liegen lassen wollte, als ob er nicht existierte. Ich wollte seine Vergebung und die Gewissheit, dass ich den Niklas nicht vertrieben hatte, den ich einst für ewig geliebt hatte.

In einer Art hatte er mich vom Haken gelassen, mir klar machen wollen, ich war für seine Handlungen nicht verantwortlich. Aber mein Gehirn flüsterte mir zu, was wahr war: Die Schuld lag bei mir. Ich war der Ängstliche, so gefangen in meinen Gefühlen, dass ich nicht ehrlich sein konnte, so allein damit, mein Schwulsein nicht annehmen zu können. Wie sollte er mich dann verstehen und nicht hassen?

Ich lag in meinem Bett, wälzte mich schlaflos bis Mitternacht. Morgen, genau in 24 Stunden, war sein Geburtstag. Ich hatte ihn nicht vergessen, der dritten Mai. Ich hatte in besseren Tagen jeden Geburtstag mit ihm gefeiert, und Morgen wurde er achtzehn.
Ich wusste nicht, was er für seinen Geburtstag geplant hatte, aber noch einen weiteren wollte ich mir nicht entgehen lassen. Vier Jahre des Schweigens, vier Jahre der Verstellung. Vier Jahre, in denen ich verdrängte, dass ich schwul war. Vier Jahre, die auch mich kaputt gemacht hatten. Ich legte eine CD in das Laufwerk meines Computers, eine der wenigen Singles, die ich als CD im Laden gekauft hatte.

Wir sind allein
Allein allein
Allein allein
We look into faces
Wait for a sign
Wir sind allein
Allein allein
Allein allein

A prisoner behind the walls
A heart away
Once to lead ours universe
Just a heart away
The time has come for us to laugh
A heart away
To celebrate our lonelyness

Wir sind allein
Allein allein
Allein allein
We look into faces
Wait for a sign
Wir sind allein
Allein allein
Allein allein

Ich stand auf. Schlafen konnte ich sowieso nicht mehr. Ich holte die verdammte Silberscheibe aus dem Laufwerk, öffnete das Fenster und warf sie mit Todesverachtung von mir. Weg mit dem Ding, irgendwohin, wo es verrotten sollte. Wie eine Frisbeescheibe segelte sie im weiten Bogen über den Gartenzaun, in seinen Garten.

Ich blickte ins Morgengrauen. Mach‘ kaputt, was dich kaputt macht! Schluss mit der Verstellung, der Verdrängung, die mich die letzten Jahre keine Kontakte hatte schließen lassen. Niklas sollte der erste sein, der es erfuhr, egal, ob er mir verzieh oder mich wegjagte. Genau um Mitternacht wollte ich es ihm sagen, mein Schweigen brechen. Dann waren wir beide achtzehn, Zeit, erwachsen zu werden und die Jahre des Schweigens zu beenden.

Trotz meiner Gemütsverfassung musste ich eingenickt sein, denn meine Uhr zeigte plötzlich halb neun. Die Sonne schien, spiegelte sich in einer runden Silberscheibe. Hatte Niklas meine über den Zaun geworfene CD wieder zurück in unseren Garten geworfen?

Ich ging in den Garten, um sie zu holen. Es war etwas, was er angefasst hatte, in meinen Augen wurde es dadurch wertvoller. Nein, das war nicht meine CD, sie war selbstgebrannt und hatte ein rotes Etikett. Eine Musik-CD, teilte mir mein Computer mit. Mit angehaltenem Atem hörte ich einen Schlager aus den 80er Jahren.

Schnee liegt auf den Rosen,
ich geb’s zu ich frier,
und ich fühl‘ wie nie zuvor die Bitterkeit in mir.
Doch ich ball‘ meine Faust und sag:
„Ich bin stark,
ich bin stark.“

Risse in der Seele,
Make-up im Gesicht,
das Leben, das wird weitergeh’n,
nur wie – weiß ich noch nicht.
Doch ich ball‘ meine Faust und sag:
“Ich bin stark
ich bin stark.“

Was war das? Er kommunizierte mit mir, wenn auch nicht mit Worten. Was würde die Nacht bringen, wenn er um Mitternacht achtzehn wurde?

Ich ließ Schule Schule sein, war im Warenhaus, suchte ein Geschenk für ihn, aber mir wurde schnell klar, dass ich absolut keine Idee hatte, was ihm gefallen würde. Er hatte sich so stark verändert, dass ich keinen Anhaltspunkt mehr hatte. Etwas abgedroschenes, wie eine CD oder ein T-Shirt lehnte ich ab. Ob er ein Geschenk von mir überhaupt annehmen würde?

Halb zehn Uhr abends. Noch zweieinhalb Stunden oder hundertfünfzig Minuten. Ich saß auf einer Decke, die ich am Boden ausgebreitet hatte. Das Törchen wurde durch einen Stein offen gehalten, den ich in einem Blumenbeet gefunden hatte. Die Decke lag genau in der Toröffnung, eine Hälfte in unserem, die andere in seinem Garten. Ich saß auf meiner Seite und wartete. Ich wusste nicht, was er geplant hatte, ob er überhaupt nach Hause kommen würde. Innerlich hatte ich mich darauf vorbereitet, hier, wenn es nötig war die ganze Nacht zu sitzen, um auf Niklas zu warten.

Zu meiner Linken stand ein kleiner Picknickkorb, in den ich einen kleinen Kuchen und etwas heiße Schokolade gepackt hatte. Ich entschied mich, ihn nicht auszupacken, weil er denken könnte, ich wollte mir damit sein Wohlwollen erkaufen. Deshalb stellte ich nur eine kleine Schachtel vor mich, mit einer roten Schleife darum, in der Hoffnung, er würde herauskommen und sie vielleicht sogar öffnen.

Gegen halb zwölf sah ich Licht in seinem Zimmer und seinen Schattenriss wanderte durch den Raum. Ich beobachtete, aber es kam mir vor, als drängte ich in seine Privatsphäre. Wusste er überhaupt, dass ich hier unten saß?

Das Blut gefror mir in den Adern. Er war ans Fenster getreten und hatte den Vorhang ein klein wenig zur Seite geschoben. Ich sah seinen eisigen Blick auf mich gerichtet, den ich aus den letzten Wochen kannte. Ich blickte wieder auf die Schachtel, wünschte, hoffte, er würde herunterkommen, um bei mir zu sitzen. Ich sah wieder nach oben, er stapfte durch sein Zimmer, dann ging das Licht aus. Ich seufzte. Würde er sich schlafen legen und nicht zu mir kommen?

Weitere zehn Minuten vergingen. Das Licht an seiner Hintertür wurde eingeschaltet. Das waren die längsten zehn Minuten meines Lebens, und mein Herz hüpfte kurz, als er aus der Tür kam und davor wie angewurzelt stand. Vielleicht würde er nicht näherkommen oder mir das Gartentörchen vor der Nase zuknallen. Ich wusste es wirklich nicht.

Ich starrte auf die Schachtel vor mir. Es war viertel vor Zwölf, als ich endlich seine Füße vor der Decke sah. Würde er sich setzten, oder einfach ‚Gib auf‘ sagen? Würde er sich meine mageren Erklärungen nicht anhören wollen, meine schwache Entschuldigung für vier Jahre Herzschmerz und Verzweiflung, in die ich ihn gestürzt hatte?

Nur mein Herzschlag war zu hören. Er setzte sich mir gegenüber auf die Decke. Er sagte nichts, wartete darauf, dass ich ein Gespräch beginnen würde. Aber es sollten keine Worte aus meinem Mund kommen, nicht für die nächsten fünfzehn Minuten.

Ich nestelte an der roten Schleife auf der kleinen Schachtel, reichte sie ihm dann herüber. Widerstrebend nahm er sie von meiner Handfläche. Ich sah ihn an. Seine Augen waren fragend auf mich gerichtet, nicht auf das Geschenk. Ich machte ihm eine Geste, den Deckel aufzumachen, mir eine Chance zu geben.

“Ich kann kaum glauben, dass du dich daran erinnert hast”, sagte er so leise, dass ich ihn fast nicht verstand. Ich wollte ihn anschreien, dass ich es nie vergessen hatte, dass ich ihm innerlich an jedem Geburtstag gratuliert hatte, an dem ich nicht bei ihm war, aber ich tat es nicht. Er war herausgekommen, hatte sich vor mich gesetzt und ein Geschenk angenommen. Ja, er hatte mit mir gesprochen, obwohl ich mich fragte, ob seine Worte an mich oder an ihn selbst gerichtet waren. Der Mond war aufgegangen und tauchte uns in silbriges Licht.

Mühsam, als ob das Öffnen der Schachtel ihm Schmerzen bereitete, öffnete er den Deckel. Innen fand er ein Armband, es war Silber, es war graviert, schwarz eingeätzt nur ein Wort: Wahrheit.

Er sah mich fragend an. Ich bot ihm die Wahrheit an, wenn er sie hören wollte. Ich würde sie ihm geben, wenn er zuhörte. In zwölf Minuten. Er nahm das Armband aus der Schachtel und betrachtete es aus der Nähe. Vorsichtig nahm ich es ihm aus der Hand, öffnete die Schließe, hielt es dann so, dass ihm klar wurde, ich bot mich an, es ihm anzulegen. Zögernd streckte er seinen Arm aus, und ich schloss es so um sein Handgelenk, dass das Wort für ihn lesbar war.

Was bedeutet das, Wahrheit?” fragte er, nachdem er eine weitere Minute das Armband betrachtet hatte, irgendwie beeindruckt von der rätselhaften Bedeutungsschwere des Worts.

Ich nahm den Picknickkorb aus der Deckung hinter dem Zaun. Neugierig sah er zu, wie ich den Kuchen auspackte. Er war einfach und klein, mit einer Schokoladenglasur auf der Oberseite. In der Mitte hatte der Konditor nach meiner Anweisung ‚Liebe‘ mit rotem Zuckerguss geschrieben. Ich setzte den Kuchen vor ihn. Niklas schien frustriert. Er sah mich an, wollte eine Erklärung, aber die konnte ich ihm jetzt noch nicht geben. Ich sah auf meine Uhr. Noch zehn Minuten des Schweigens.

“Liebe?” fragte er mich argwöhnisch. “Du denkst, du …liebst mich?”
Seine Augen starrten mich ungläubig an. Er versuchte sich klar darüber zu werden, was hier geschah. Mein Schweigen schien ihn irgendwie stinkig zu machen. Kein Wunder nach den Wochen, die dieser Nacht vorausgingen, in denen ich zu seinem Stalker wurde

“Schwachsinn! Du kennst mich noch nicht einmal mehr.”
Seine Worte trafen mich wie Pfeile, denn ich musste ihm Recht geben.
„Was soll der Scheiß, Rolf? Wir waren Freunde, beste Freunde, und dann hast du mich, verdammt nochmal, geküsst, und dann bist du verschwunden, als ob nichts passiert wäre. Und jetzt soll ich dir glauben, du liebst mich?“

Ich nickte. Alles war wahr, jedes ätzende Wort, das er gerade gesagt hatte.
Es wurde schwierig, aber er sprach wenigstens mit mir, wenn seine Worte auch den Frust vieler Jahre ausdrückten. Ich wollte ihm so dringend erklären, wie ich mich fühlte und was mich umgetrieben hatte, aber die Minuten schienen sich wie Kaugummi zu dehnen.

Noch acht Minuten, acht Minuten des Schweigens, bis ich ihm endlich die Wahrheit sagen konnte. Meine Augen bettelten ihn an, Geduld mit mir zu haben. Ich hoffte, dass, nachdem ich ihm die Wahrheit gestanden hatte, den wahren Grund, warum ich ihn verlassen hatte, er in der Lage sein würde, es zu akzeptieren und mich nicht mehr hasste oder verabscheute. Ich hoffte sogar, dass er mich lieben konnte, wie ich ihn geliebt hatte, seit wir dreizehn waren.

„Ich meine, was für einen Zweck hat das Ganze“, brummte er. „Erst weglaufen, dann nicht mit mir sprechen, dann war ich Luft für dich. Und dann nach vier Jahren tauchst du plötzlich wieder auf und erwartest, dass ich das alles vergesse. Was zum Teufel ist das?“

Er hatte Recht, so erregt zu sein. Das war zu erwarten und verständlich. Seine Reaktion war gerechtfertigt, und es wurde immer schwieriger für mich, ihm nicht jetzt sofort zu sagen, was ich auf dem Herzen hatte. Aber ich musste warten, noch sechs lange Minuten, und meine Lippen waren versiegelt.

“Was auch immer! Warum haust du nicht einfach ab?“ fragte er und beantwortete seine Frage selbst.
„Ja, richtig, weil du mich liebst…“, dröhnte er sarkastisch und rollte mit den Augen.
Er starrte in die Nacht, fragte sich vielleicht, warum er eigentlich gekommen war.
Ich zeigte auf eine Sternschnuppe am Himmel. Wir hatten viele Nächte miteinander verbracht und uns den Himmel angeschaut. Er war durcheinander wegen meiner Sturheit, nahm aber die Ablenkung willig an.

Ich hatte mir gewünscht, wir würden Freunde für ewig sein, wenn auch Ewigkeit für einen Dreizehnjährigen nicht wirklich greifbar ist. Ich hatte mich danach gesehnt, ihn zu lieben, immer bei ihm zu sein, aber das alles war zerbrochen, und meine einzige Ausflucht war, mich zu verstecken, vor ihm und vor allem vor mir selbst wegzulaufen.

Ich legte den Kuchen zurück in den Korb, holte eine Karte heraus, die ich für ihn gemacht hatte. Sie war aus weißem Zeichenkarton. Ich hatte ein rotes Herz aufgeklebt, ein Ebenbild der Zeichnung auf seinem Skateboard, mit dem Riss durch die Mitte.

Auf der einen Seite stand ‘Nick’ und auf der anderen Seite des Risses ‘Rolf’, aber anstelle des Wortes ‚Fragen‘ stand dort ‚Wahrheit‘. Ich reichte ihm die Karte, und er nahm sie achselzuckend an. Ich hatte mir den Text von einem Song ausgeborgt, der meine Gefühle traf. Er öffnete die Karte und las.

Lieber Nick,

„Ich liebe Dich“ kann ich nicht sagen
„Ich liebe Dich“, kann ich nicht sagen!
Ich kann es nicht, ich bring’s nicht ‚raus!
Bei jedem and’ren würd‘ ich’s wagen,
doch nur bei dir, da ist es aus.
Wenn ich mich früher nicht geniert hab‘,
dann war es Spaß, da ging’s im Nu.
Doch, sooft ich’s bei dir probiert hab‘,
da schnürt es mir die Kehle zu.

Ich habe dich geliebt,
Rolf

Als es seinen Augen wieder gelang, in meine zu blicken, waren sie weit geöffnet.
Da waren hundert Möglichkeiten, meine Sätze zu interpretieren. Ich hoffte inständig, dass ich in einer Minute immer noch die Kraft und Stärke besitzen würde, ihm die Wahrheit zu sagen. Die Stärke, die in den schweigenden Sitzungen unter der Buche ihren Ursprung hatte.

Ich sah in sein Gesicht. Es waren viele Fragen darin, die eine Klärung verlangten. Er wollte Antworten und ich sah wieder auf meine Uhr. Ich wartete, dass das neue Lebensjahr beginnen würde. Ich hatte mir selbst versprochen, ihm und auch nicht zuletzt mir selbst dann alles zu gestehen, was mich bewegte. Würde Niklas wieder ein Teil meines Lebens werden, oder nicht? Der Sekundenzeiger meiner Armbanduhr näherte sich Stunde Null. Ende der Verstellung. Wahrheit, komm’ ans Licht! Noch eine Sekunde…Mitternacht!

“Ich bin schwul Nick, und ich habe dich geliebt. Ich war so verzweifelt, so erschreckt, so dumm, dass ich gedacht habe, wenn ich dich einfach links liegen lasse, würde sich das ändern.”

In den ersten zehn Sekunden seines Ehrentags hatte ich mehr eingestanden als irgendjemand sonst in den letzten vier Jahren. Er saß mir nur gegenüber, erstarrt in der plötzlichen Erkenntnis, die ihm nun endlich eine Erklärung für mein Verhalten bot. Sein Mund öffnete sich und schloss sich wieder, als ob er etwas sagen wollte, ihm aber die Spucke weggeblieben war.

“Ich wünschte, ich wäre mutiger, wie du, oder klüger. Ich würde gerne all den Schmerz, die Verwirrung und die Einsamkeit zurücknehmen, aber ich kann nicht”, sagte ich beschämt. Die kühle Nachtluft fand die Tränen, die stillschweigend über meine Wange liefen.

“Du bist nicht blöd”, antwortete er mit der liebenswerten Stimme, die ich früher immer so geliebt hatte. Ich konnte mich nicht dagegen wehren, ich legte meine Arme um ihn, drückte ihn an mich, als wäre es für die ganzen, in vier Jahren vermissten, Umarmungen. Schnell zog ich mich auf meine Deckenseite zurück, denn ich fühlte, wie sein Körper in meinen Armen starr wurde.

„Hör‘ auf zu weinen, Rolf. Was hast du gemeint, als du gesagt hast, du hättest mich geliebt?“
Ich fragte mich, was er als Antwort hören wollte.
„Genau, was ich gesagt habe. Ich habe dich geliebt. Dich anzusehen, die Art, wie du mich angeschaut hast, du mir vertraut hast. Ich habe das geliebt. Ich liebte dich.“

“Ich verstehe das nicht”, gab er zu. „Wenn du gewusst hast, dass ich dir vertraue, warum bist du dann davongelaufen und hast mir keine Chance gegeben, dir zu zeigen, dass du mir auch vertrauen kannst, dass ich dich auch geliebt habe?
Jahre des Schmerzes lagen in seiner Stimme.

„Begreifst du nicht? Wenn ich dich und meine Liebe zu dir geleugnet hätte, hätte ich mir –vielleicht- auch nicht eingestehen müssen, dass ich schwul bin.“
Ich fühlte mich in diesem Augenblick so erbärmlich lächerlich, wie meine Worte klangen.

Niklas dachte nach, eine ganze Minute.
„Du weißt selbst, das ist eine echt blöde Entschuldigung. Aber was sollte das, mir den Quatsch nicht früher zu erzählen? Ich komm‘ raus zu dir, spreche mit dir, aber du nicht mit mir.“
“Jahre des Schweigens”, murmelte ich. “Aber sie endeten um Mitternacht, und jetzt ist dein Geburtstag.”
“Das ist wahr”, stimmte er zu.

„Kuchen?“ bot ich ihm an. „Es ist dein Lieblingskuchen oder das, was damals dein Lieblingskuchen war.“
Ich wusste nicht, was er heute mochte oder nicht mochte.
„Und das ist?“, befragte er mich mit einem Lächeln um die Lippen.
„Schokolade?“
„Okay, diesmal hast du gewonnen. Ich denk‘ mal, du erwartest, das ich Geburtstagskuchen an meinem Geburtstag esse, obwohl es erst halb eins am Morgen ist und du mir noch nicht einmal gratuliert hast.“

Ich holte den Kuchen wieder heraus, wurde diesmal rot, als ich das Wort ‘Liebe’ las.
„Heiße Schokolade?“
„Mit Schokoladenkuchen?“ lächelte er. „Vielleicht später.“
Ich schnitt zwei Stücke ab und reichte ihm einen Teller.
„Der ist echt süß”, sagte er nach einigen Bissen.
„Wirklich?“
Der Kuchen erschien mir wie ein normaler Schokoladenkuchen.
„Ja, wie du das Ganze hier geplant hast…du bist auch süß.“

“Seine Lippen strichen flüchtig, aber zärtlich über meine.”
Ich wurde rot wie eine Tomate, legte schockiert einen Finger auf die Stelle meiner Lippen, wo mich seine gerade berührt hatten. Niklas kicherte über meine Überraschung.
„Ess‘ deinen Kuchen. Und was soll der Quatsch mit den ominösen Jahren des Schweigens?”

„Nun, sie sind Vergangenheit Ich habe mir selbst versprochen, an deinem Geburtstag sollen sie enden. Sie waren Jahre der Intoleranz, der Angst vor mir selbst, der Vorurteile und der Selbstverleugnung. Heute ist mein Tag der Abrechnung, Auge in Auge mit der Person, die ich so schlecht behandelt habe, obwohl ich sie liebte.“

“Du hast mich geliebt? Jetzt nicht mehr?” fragte er fast traurig.
“Die Wahrheit?” konterte ich, und ein leises Lächeln spielte um meine Lippen.
„Klar, die Wahrheit. Reinen Wein.”
“Ich würde es gerne herausfinden… weil du heute so echt heiß aussiehst.“
Hoffentlich konnte er im Mondlicht nicht sehen, dass ich knallrot geworden war.
„Ach? Na gut, wir könnten mal wieder zusammen zelten, wie wir es früher getan haben und vielleicht daran arbeiten“, schlug er vor.

Ich nickte zustimmend, strich sanft über seine Haare. Eine weitere Sternschnuppe ging nieder, und ich hatte nur einen Wunsch. Niklas legte seine Hand auf meine und hielt sie fest. Seine Augen waren wie früher.
„Wir sollten reingehen, bevor das hier in Irgendwas ausartet.“

Mit diesen Worten führte er mich in sein Zimmer und nahm meinen Kopf in beide Hände.
„Du Blödmann. Vertane Jahre. Und ich hab‘ mich schrecklich gefühlt. Du warst weg, weg aus meinem Leben, aus meiner Liebe. Wie biegen wir das jetzt wieder hin?”

Ich konnte nicht antworten, fühlte plötzlich seine Lippen auf meinen. Wenn nur noch ein Funke meiner Liebe in mir war, jetzt wurde das Feuer wieder entfacht. Ich stand da wie angewurzelt. Der Kuss war kurz, aber ich fühlte ihn immer noch. Niklas hatte sich auf den Boden gelegt, in fast derselben Stellung, in der ich ihn vor vier Jahren zurückgelassen hatte.
„Komm‘ setzt dich auf mich.“
Perplex setzte ich mich auf seinen Bauch, fühlte seinen erwachsen gewordenen Muskeln.
„Und nun küss‘ mich.“

Wie in einer Rückblende hatte ich die Szene von vor vier Jahren im Kopf, beugte mich vor und meine Lippen berührten seine. Niklas lächelte mich an.
„Jetzt drehen wir mal die Uhr um vier Jahre zurück. Wenn du nicht abgehauen wärst und den Schwanz eingekniffen hättest, wäre das passiert.“

Er küsste mich, und überrascht fühlte ich, wie seine Zunge gegen meine geschlossenen Lippen stieß und sich den Weg zwischen diese bahnte. Unsere Zungen trafen sich in einem atemlosen Kuss.
„Das hättest du gemacht?“ fragte ich atemlos.
“Vielleicht nicht, aber jetzt sind wir beide achtzehn und erwachsener geworden. Und wie ist es dir ergangen. Hast du jemand kennengelernt?“

Ich schüttelte den Kopf.
„Nein. Du warst mir zu nah, obwohl ich dich aus mir vertreiben wollte. Aber das ging einfach nicht.“
„Ich auch nicht. Ich wollte niemand mehr so nah an mich heranlassen. Es tat so weh. Weißt du noch, was ich gesagt habe, direkt bevor du mir den Kuss gegeben hast?“
Ich wusste es noch, als ob es gestern gewesen wäre.
„Mach doch mit mir, was du willst”
„Richtig“, lächelte er. „Aber damit war nicht gemeint, dass du abhauen und mich allein lassen solltest.“

Ich legte mich auf ihn. Was hatte er für einen aufregenden Körper! Ich fühlte gut definierte Brustmuskeln und einen festen Bauch. Meine Hand streichelte seine Wangen und ich küsste seine Stirn.
„Ich war ein echter Holzkopf“, gestand ich ihm ein. „So das Beste in meinem Leben wegzuwerfen. Ich könnte verstehen, wenn du mich jetzt einfach wegjagst.“

„Wegjagen?“ lächelte er. „Das würde dir so passen. So leicht kommst du nicht mehr davon, nie mehr…“
Ich sah, wie er sich den Ring aus der Unterlippe zog, auch die Ohrringe abnahm.
„Jetzt will ich erst mal sehen, wie du dich verändert hast.”
Er konnte doch nicht…? Doch, er konnte! Atemlos fühlte ich, wie er mir langsam das Hemd aufknöpfte.

“Hab’ ich es mir doch gedacht”, flüsterte er und betrachtete meine nackte Brust. „Du hast immer schon besser ausgesehen, als ich.“
Mit einem scheuen Blick in meine Augen strichen seine Hände über die Rundungen meiner Brust, dann über die Muskeln meiner Arme. Ein zarter Kuss auf meine beiden Brustwarzen, der mich leise aufstöhnen ließ. Plötzlich fühlte ich mich wie Gott in Frankreich.

Seine Lippen lagen wieder an meinen. Ich versank in einen Traum, als sich seine Zunge ihren Weg in meinen Mund bahnte. War das möglich? Der letzte Funke seiner Liebe schien wieder zu einer Flamme geworden zu sein.
„Komm‘ aufs Bett“, flüsterte er mir zu.

Wir standen auf. Er stieß mich aufs Bett und begann, mich wieder zu küssen, den langen Weg die Brust hinunter brachten seine Lippen mich zum Stöhnen. Erschreckt stellte ich fest, ich war hart geworden.
„Hmmm“, summte Niklas. „Du stehst ja deinen Mann.“
Er beugte sich herunter und küsste die Beule durch meine Jeans, streifte sich dann auch sein Hemd ab. Sein Oberkörper erschien mir noch erregender als er auf dem Skateboard gewesen war.

Er presste sich an mich. Seine nackte Brust verschmolz mit meiner. Unsere Körper wanden sich, prallten zusammen wie kraftvolle Brandungswellen des Ozeans, die sich am Strand brachen. Ich wollte ihn, wie sehr wollte ich ihn! Ich konnte fühlen, wie seine Erektion sich fest an meine presste oder sich mit unseren Bewegungen an meiner rieb.

Ich zog ihm die Jeans aus. Die Beule in seinen Boxershorts war unübersehbar.
„Mach‘ doch mit mir, was du willst”, flüsterte Niklas mit geschlossenen Augen.
Zum zweiten Mal bot er sich mir an, die vier Jahre dazwischen schienen ausgelöscht.
„Nein“, murmelte ich. Ich wusste nun, dass ich schwul war, und ich akzeptierte, ja, ich liebte es, ich liebte ihn.
“Jetzt machst du mit mir, was du willst.“

Ich ließ von ihm ab, fühlte, wie meine Hose mir zärtlich abgestreift wurde.
„Ach, du liebe Zeit. So groß hätte ich mir ihn gar nicht vorgestellt.“
Er zog mir den schon feucht gewordenen Slip aus und untersuchte die Geheimnisse meiner Männlichkeit, die nackt vor ihm aufragten. Niklas begann, mich am ganzen Körper zu küssen und zu lecken. Es gab keinen Zentimeter, den er nicht schmeckte, von meinem Mund, den Achselhöhlen und Nippeln, der sanften Kurve meiner Hüften, bis hinunter zu meinen Kniekehlen. Pure, a****lische Lust stand in seinen Augen. Die Muskeln meines Körpers spannten sich an und erschlafften wieder, als er von Körperteil zu Körperteil wanderte, so sensibel und natürlich.

Mit schlangengleicher Zunge leckte er meine Eichel, dann den Schaft, zeichnete feuchte Kreise um meine Hoden mit der Spitze. Das war zu viel für mich. Unwillkürlich schob ich meinen Unterleib vor und versenkte mein Glied in seinen Mund. Er nahm alles, obwohl er keuchen musste. Ich konnte die Muskeln seines Schlundes fühlen. Meine Hand versank in den langen, schwarz gefärbten Haaren. Seine Lippen um meinen Schwanz waren weich und sahen so unberührt aus. Ich liebte die Art, wie sie sich streckten, als sein Kopf sich über meinem Penis auf und ab bewegte.
„Niklas. Ich hab‘ noch nie so was gefühlt.“

Ich zog mein Glied aus seinem Mund, war schon in großer Gefahr zu spritzen und pinnte ihn ans Bett. Mit weit aufgerissenen Augen erlebte er, wie ich ihm die Boxer von den Beinen zog. Ich zog vorsichtig die Vorhaut zurück und küsste seine angeschwollene Eichel, die von glasklaren Vortropfen glänzte. Sein Glied war nicht dick, aber lang und stahlhart. In diesem Moment dachte ich darüber nach, wie es sich wohl in mir anfühlen würde. Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas Schwules wollte, aber jetzt war ich mir sicherer darüber, als ich je in meinem Leben war.

Ich nahm seine Eichel in meinen Mund. Niklas stöhnte, veranlasste mich mehr von seiner Männlichkeit in den Mund zu nehmen. Ich saugte und leckte ihn von oben bis hinunter zu den Eier. Ich liebte ihn, ich betete ihn an, ich roch ihn, ich schmeckte ihn.

Niklas hob meinen Kopf von seinem Schwanz, zog mich zu seinen Lippen und gab mir einen Kuss. Dann holte er etwas aus dem Nachttisch.
„Leg dich flach hin.“
Ich war aufgeregt. Sollten meine Wünsche wahr werden?
Er öffnete die Tube. Zu meiner Überraschung schmierte er erst meinen Schwanz ein, griff dann zwischen seine Schenkel und arbeitete fieberhaft an seinem Hinterausgang.
“Ich will deinen in mir“ stöhnte er. „Nimm‘ mich als Siegel unserer Liebe.“

In Hingabe beugte er sich vor mir und zeigte mir seine Hinterbacken. Vorsichtig drang ich mit meinem Zeigefinger ein.
„Komm‘, nimm mich.“
Ich legte meine Eichel an sein enges, warmes Loch und kreiste mit ihr. Vorsichtig drückte ich sie gegen den engen Ring. Er war eng, sehr eng, aber langsam weitete er sich und mein Glied drang nun fast mühelos in seinen Körper. Ich glitt besonnen durch die warmen, feuchten Regionen. Wir stöhnten wie aus einem Mund. Sein Schließmuskel zog sich um meinen Schaft zusammen. Meine Hand fand seinen Penis, legte sich um den harten Schaft. Er keuchte und stöhnte. Meine Bewegungen wurden schneller, tiefer. Ich konnte fühlen, dass er bald spritzen musste.

Es war ein Traum. Ich musste ihm ins Gesicht sehen, die Lust und Zustimmung in seinen Augen erkennen und drehte ihn auf den Rücken. Seine Beine schlossen sich um meinen Oberkörper. Ich drang wieder in ihn, küsste ihn auf die Lippen, seinen Hals und seine Brust, massierte sein Glied im gleichen Rhythmus, wie ich durch ihn glitt. Niklas war bezaubernd. Er war so eng, sein Inneres legte sich weich und saugend um meinen Penis, instinktiv schien er zu wissen, welche Muskelkontraktionen in seinem Inneren mir die größte Lust bereiteten. Ein hörbares, lustvolles Stöhnen aus seinem Mund zeigte mir, ich war nicht allein mit meinen Empfindungen.
„Bitte fester, härter“, keuchte er, und ich erfüllte seinen Wunsch.
Ich stieß ihn so hart, dass wir beide in schierer Ekstase schrien.

“Rolf, ich liebe dich. Das ist so gut. Streichel’ mich weiter. Es kommt mir gleich. Oh, Shit….”
Er schoss Welle um Welle seines Samens über die Riffeln seines Sixpacks, traf sich fast ins Gesicht. Das brachte mich über die Schwelle. Ich zog mich aus ihm zurück und spritze meinen Lebenssaft über seinen gesamten Körper. Die Mischung unserer Samen auf seinen Bauch ließ ihn noch erregender aussehen als vorher.
„Wir bleiben zusammen für immer und ewig”, versprach er.
Ich küsste ihn. Er sah so schön aus. Eng aneinander geschmiegt schliefen wir ein.

Die Sonne, die durchs Fenster schien, weckte mich.
“Wir bleiben zusammen für immer und ewig“, hatte er beteuert.
Für ewig? Was weiß man als achtzehnjähriger schon von der Ewigkeit? Es war zehn Uhr. Nur ich konnte sehen, dass die Tür des Zimmers sich öffnete und Niklas‘ Mutter hereinschaute. Sie erkannte unsere eng verschlungenen, nackten Körper, sah ihren Sohn neben mir, endlich wieder glücklich. Sie störte uns nicht, lächelte mich nur an, schien mir sogar zuzuzwinkern und schloss leise wieder die Tür.

Nur wenig später wachte er in meinen Armen auf. Er schmunzelte, schien sich daran zu erinnern, was wir einige Stunden vorher getan hatten. Sein halbsteifes Glied berührte meinen Oberschenkel. Ich wurde wieder hart.
“Gut geschlafen? Und meine Glückwünsche zum Geburtstag.”

Wir küssten uns. Unsere anschwellenden Glieder rieben sich aneinander, bis wir beide wieder stahlhart waren. Wir hatten Jahre nachzuholen.
“Oh, Mann. Jetzt hab’ ich Lust, dich zu nehmen. Aber es muss nicht sein, wenn du nicht willst.”
“Niklas, ich will dich! Ich wollte dich schon beim ersten Mal in mir fühlen. Also, nimm mich“, flüsterte ich verführerisch in sein Ohr.

Seine Leidenschaft war geweckt. Er stellte mich auf alle Viere und rückte hinter mich. Seine Zunge leckte mein immer noch jungfräuliches Loch. Wie sich das anfühlte! Das Blut rauschte durch meine Schläfen, meine Erektion war fast schmerzhaft, so sehr sehnte sie die Vereinigung mit ihm herbei. Ein nasser Finger ersetzte seine Zunge und dehnte kreisend den engen Ring. Ja, ich wollte mich hingeben, mit jedem Fetzen meines Körpers, mit allen Sinnen. Sein Finger glitt tiefer. Zuerst tat es etwas weh, aber dann war es überwältigend. Er berührte eine Stelle, die mich lustvoll stöhnen ließ.
“Ich brauche jetzt alles. Ich brauche dich tief in mir.”

Ich hörte das vertraute Geräusch der Nachttischschublade. Ich hockte da, meinen Hintern hoch in der Luft, wartete darauf, dass er endlich in mich eindrang. Ein geschmierter Finger verteilte Gleitcreme in mein Loch, machte mich bereit. Dann fühlte ich etwas Dickeres, Achtunggebietendes. Es presste sich gegen den engen Ring meines Schließmuskels. Ich wollte es in mir haben, versuchte mich zu entspannen. Es weitete mich und drang ein. Es tat weh, aber sicher nicht für lange. Mehr von Niklas drängte in mich. Es schmerzte etwas, bis er voll in mir war, aber die Unannehmlichkeiten waren nichts gegen das Gefühl, mit ihm verschmolzen zu sein. Die weiche Haut seines Hodensacks legte sich an meine, er gab mit einen Moment zum Luft schöpfen.

Ich war bereit. Er begann, mich zu stoßen. Mein Stöhnen war wie eine Einladung an ihn, mich ernsthaft zu ficken. Mann, wie sich das anfühlte, wie der Penis des geliebten Jungen in meinem Inneren alle Falten glättete, ungeheure Wärme ausstrahlte. Ich bettelte ihn an, mich härter zu ficken, und er erfüllte mir die Bitte. Seine Eier klatschten gegen meine. Er küsste meinen Nacken und versetzte mir kleine Liebesbisse. Dann rollte er mich auf den Rücken. Ich liebte diese Position, denn ich sah seine roten Wangen, seine Augen funkeln. Seine Miene spiegelte, dass er im siebten Himmel war.
“Du bist so eng”, grunzte er. “Mann, wie sich das anfühlt!”

Ich war völlig aufgelöst. Es fühlte sich so gut an, dass ich es ihm mitteilen musste. Er stieß mich wie rasend, küsste mich, dass ich fast erstickt wäre. Meine Hände streichelten seinen Rücken, packten seine Hinterbacken und zogen ihn tiefer in mich. War es meine Hingabe oder seine Liebe, die diesen Akt so einzigartig machten? Wenn das nicht der beste Sex meines Lebens war, hatte ich vorher nicht gelebt.
„Es kommt mir. Stoß mich weiter. Du bringst mich zum Spritzen.”
“Spritz’ für mich, Rolf”, stimmte er ein und wichste meinen Schwanz. „Ich will deinen Samen auf deinem sexy Körper sehen.“

Seine Worte brachten mich über die Schwelle. Ich spritzte meinen Samen im weiten Bogen über mich. Es war die intensivste Ejakulation meines Lebens. Niklas zog sein Glied aus mir. Ich erkannte an seinem Gesicht, auch er war bereit, seinen Samen von sich zu schießen. Ich nahm es in den Mund, wollte die Essenz seiner Liebe schlucken. Er schmeckte so gut, männlich und salzig.

“Rolf! Ich bin wie verzaubert. Waren wir das eben? Das war der beste Sex, den ich je gehabt habe.”
Das war nicht übertrieben, denn eigentlich hatten wir beide bisher nur einen Partner: Uns selbst. Nun waren wir verbunden. Er hatte sich mir und ich mich ihm hingegeben. Ich wusste nun, er war mein und ich sein. Für immer und ewig, hoffte ich.
– – –

Ewig? Dreiunddreißig Jahre sind vergangen. Niklas liegt neben mir. Seine Haare haben graue Stellen bekommen, auch ein kleines Bäuchlein ziert seinen Unterleib. Wir haben gute und schlechte Zeiten hinter uns, aber wir sind zusammen geblieben. Er schläft noch, und ich streichele seine Stirn. Nun öffnet er seine Augen. Sie sind immer noch grün, ziehen mich immer noch an.

Ewig? Nein, nicht ewig, aber solange wir leben, das weiß man als Mann in den Fünfzigern.


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